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Wärmedämmung macht Sinn

Wärmedämmung Argumente

Dämmen macht Sinn: Einwände und Richtigstellungen aus neutralem Positionspapier

Die Wärmedämmung muss sich mit vielen Halbwahrheiten und Vorurteilen auseinandersetzen. Mit unserer Themenreihe zeigen wir auf, wie neutrale Experten in einem Positionspapier dazu Stellung beziehen – und liefern Ihnen damit die besten Argumente für sinnvolle energetische Sanierungsmaßnahmen mithilfe von Wärmedämm-Verbundsystemen.

Das Positionspapier „Über den Sinn von Wärmedämmung – Argumente zur Überwindung von Missverständnissen“ entstand als Zusammenarbeit der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) mit dem Institut für Bauphysik (IBP), dem Energieinstitut Vorarlberg, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und ebök Planung und Entwicklung. Darin werden die häufigsten Einwände, Vorurteile und Missverständnisse rund um den baulichen Wärmeschutz und den Einsatz von Dämmstoffen untersucht und relativiert bzw. widerlegt. Abschließend beschäftigt sich unsere Themenreihe mit folgenden Punkten:

Behauptung 9: „Dicke Wände älterer Häuser dämmen schon gut genug“

Bei Gebäuden mit Wandstärken von 60 cm und mehr wurden traditionell Vollziegel oder Bruchsteine verarbeitet –Materialien, die Wärme ebenso gut speichern wie leiten. Ihre Wärmedämmung muss daher heute schon aus bautenschutztechnischen Gründen verbessert werden. Die hohe Speicherkapazität verlangsamt lediglich Aufwärm- und Abkühlvorgänge, mit einer Außendämmung können Wärmeverluste um bis zu 90 % gesenkt werden! Im Sommer ist Speichermasse von Vorteil, um tagsüber im Raum anfallende Wärme zu speichern und sie dann nachts an die Außenluft abzugeben. Da hiervon jedoch nur die ersten ca. 10 cm raumseitig betroffen sind, wird dieser Effekt durch eine Außendämmung nicht beeinträchtigt.

Behauptung 10: „IR-reflektierende Farben und Materialien sind ausreichend: 20 % und mehr Energieeinsparung möglich"

Die Wirksamkeit infrarotreflektierender Beschichtungen wird stark überschätzt. Bereits 1982 wurde u. a. von Prof. Karl Gertis dargelegt, dass sie – besonders auf der Außenwandaußenseite – wärmetechnisch nahezu wirkungslos sind, da dort der durch Wind bedingte konvektive Wärmeübergang dominiert. Raumseitig dagegen, in schlecht gedämmten Heizkörpernischen, lassen sich Wärmeverluste um über

10 % reduzieren. Auf sonstigen raumseitigen Oberflächen ist die Verwendung von infrarotwirksamen Schichten eher kritisch zu bewerten, da hierdurch die Bauteiloberflächentemperatur abgesenkt wird und damit das Risiko einer Schimmelpilzbildung erhöht wird. Nichtsdestotrotz trägt eine IR-reflektierende Außenbeschichtung zur Reduzierung des Algenbefalls bei (s. Argument 7).

Behauptung 11: „Wärmedämmung verhindert die Sonneneinstrahlung auf das Mauerwerk und damit deren Beitrag zur Energieeinsparung“

Solarstrahlung im Winter auf eine ungedämmte, massive Außenwand soll zur Deckung des Heizwärmebedarfs beitragen? Nicht nur die Erkenntnisse des Fraunhofer Instituts für Bauphysik (IBP) sprechen dagegen. Auch eine aktuelle Simulation von Prof. Andreas Wagner, KIT, verdeutlicht erneut, dass eine gute Fassadendämmung auf traditionellem Mauerwerk den Wärmeverlust auch bei Ausrichtung nach Süden wirksam reduziert (in diesem Beispiel um 86 %), die optimale Solareinstrahlung auf der betrachteten ungedämmten Wand jedoch nur um knapp 7 %. Sehr viel sinnvoller ist es, die Solargewinne auf der gedämmten Außenwand aktiv, z. B. über Photovoltaiksysteme oder thermische Solarkollektoren zu nutzen.

Behauptung 12: „Wärmeschutz ist teuer und rechnet sich nicht“

Pauschale Aussagen zur Wirtschaftlichkeit sind grundsätzlich mit äußerster Vorsicht zu betrachten. Für eine fundierte Einschätzung müssen immer die zu erwartenden Investitionskosten des konkreten Projekts und die realitätsnah prognostizierte Einsparung an Heizkosten unter den tatsächlichen Randbedingungen gegenübergestellt werden. Schließlich werden durch eine energetische Sanierung eines Objekts auch dessen Wert und Wohnkomfort erheblich gesteigert. So wird in der aktuellen Wertermittlungsverordnung die energetische Qualität des Gebäudes miteinbezogen, ebenso werden in die Mietspiegel zunehmend Beschaffenheitszuschläge zur Berücksichtigung der energetischen Qualität aufgenommen.

Behauptung 13: „Wärmedämmung verunstaltet Gebäude“

Leider gibt es tatsächlich optisch fragwürdige Beispiele für Fassadendämmung – gleichzeitig existieren jedoch zahllose ungedämmte, architektonisch ebenso wenig überzeugende Gebäude. Gelungene Gestaltung hat demnach weniger mit der Wärmedämmung, sondern mit dem kreativen Umgang mit Materialien zu tun, was von einer großen Anzahl formschöner Sanierungen belegt wird. Fenster sollten aus bauphysikalischen und gestalterischen Gründen in die Dämmebene gerückt werden. Klappläden, Rollläden oder auch Schiebeläden erlauben auch mit Dämmung gestalterisch ansprechende Lösungen. Für Fassaden, die von außen nicht verändert werden sollen, stellt die Innendämmung eine sinnvolle Alternative dar.

Überblick

Alle Einwände und Richtigstellungen der letzten Ausgaben finden Sie hier.

Download

Zum vollständigen Positionspapier.